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Filmfestival "Ausnahme|Zustand"

Film-Themen im Zeichen beklemmender Aktualität

Das bundesweite Filmfestival „Ausnahme-Zustand“ hat in dieser Woche in Blankenburg Station gemacht. Zwei Kurz und zwei Spielfilme, die Ausnahme-Situationen Jugendlicher schildern, boten dabei reichlich Diskussionsstoff für Schüler, Lehrer, Psychologen und Betroffene.

Hanna Hempfling, Erdmute Sacher, Denise Zimmermann, Michael Horn und Dr. Wolf-Rainer Krause (v. re.) diskutierten mit Schülern des Fallstein-Gymnasiums Osterwieck über die Filmbeiträge des Festivals
„Ausnahme-Zustand“, die gestern im Alten E-Werk gezeigt wurden. Foto: Jens Müller


„Willkommen im Ausnahme-Zustand.“ Mit diesen doppeldeutigen Worten begrüßt am Mittwochabend Sozialpädagoge Michael Horn rund 50 Gäste zur Harz-Premiere des bundesweiten Filmfestivals „Ausnahme-Zustand“ im „Alten E-Werk“. Es macht Station in der kleinsten von insgesamt 70 Städten bundesweit. Der Blankenburger Verein „Lebenskraft“, der sich um die Begleitung psychisch kranker und seelisch behinderter Menschen kümmert, hat die Chance genutzt, mit diesem Festival auf eine etwas andere, aber sehr eindringliche Art menschliche Ausnahme-Situationen ins Blickfeld zu rücken: Mit zwei Kurz- und zwei Spielfilmen, die ausgerechnet in dieser Woche durch den Selbstmord des Fußball- Nationaltorwarts Robert Enke eine noch beklemmendere Aktualität erhalten haben.

Doch während Robert Enke keinen anderen Weg sah, als sich das Leben zu nehmen, meistern die Protagonisten der gezeigten Filme ihre Ausnahme-Zustände. So beschreibt „Nacht vor Augen“ die Rückkehr eines traumatisierten Bundeswehr-Soldaten, der seine Erlebnisse im Afghanistan-Einsatz nicht mehr verarbeiten kann, psychisch erkrankt und mit viel Mühe lernt, wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen. Mit Hilfe von Freunden, Familie und Therapeuten meistert er diese Lebenskrise.

Atemlose Stille herrscht schließlich im Saal, als Werner Becker von seinen Auslandseinsätzen in Afghanistan und Kosovo berichtet. Dann diskutieren der Magdeburger Sozialpsychologe Prof. Wolfgang Heckmann und Chefarzt Dr. Wolf-Rainer Krause mit dem Publikum. Es geht um Phasen des Heranwachsens, um Abnabelung und Identität, um das Ausmaß von Störungen im Kindes- und Jugendalter. Bereits das erste Forum macht deutlich, dass es wichtig war, das Filmfestival auch nach Blankenburg zu bringen.

Dass Menschen in Krisen gerade in unserer Region beste professionelle Hilfe bekommen können, schildern am zweiten Festivaltag Hanna Hempfling vom Paritätischen Beratungszentrum in Blankenburg, Erdmute Sacher vom sozialpsychiatrischen Dienst des Kreis-Gesundheitsamtes, Denise Zimmermann als Expertin in eigener Sache und Dr. Wolf-Rainer Krause, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Blankenburg. Auch wenn die Diskussion nicht so intensiv geführt wird, wie am Mittwoch, ist für Michael Horn das vorangehende Film-Thema dennoch gut gewählt. In „Lebenszeichen“ wird der Blick auf Selbstverletzungen bei jungen Frauen – das sogenannte Ritzen – gerichtet. Zuschauer im voll besetzten „E-Werk“ sind u. a. Absolventen der Krankenpflegeschule des Harz-Klinikums und die elften Klassen des Fallstein-Gymnasiums Osterwieck.
Für ihre Lehrerinnen Birgit Klehm und Verena Jörke ist es wichtig, dass sich die Jugendlichen auch mit solchen Themen auseinandersetzen. Sie werden den Tag sowohl im Biologie- und im Ethik-Unterricht aufarbeiten.


Quelle: Volksstimme (Jens Müller)

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